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Ukázky textů k překladu z německého jazyka
1. Wesel, Uwe: Die ersten Anfänge menschlicher Ordnung – das Beispiel der Nuer
Die Verwandten des Getöteten sind zur Blutrache verpflichtet. Sie ist der Inbegriff ihrer verwandtschaftlichen Solidarität. Den Täter oder einen seiner Angehörigen müssen sie töten. Solange er sich beim Mann mit dem Leopardenfell aufhält, kommen sie von Zeit zu Zeit, um zu sehen, ob er sein Asyl verläßt und ihnen Gelegenheit zur Rache gibt. Sie würden jede Gelegenheit wahrnehmen, sind aber regelmäßig nicht sehr hartnäckig, sie zu suchen. Das geht so einige Wochen. Dann versucht der Mann mit dem Leopardenfell, die Verhandlungen zur friedlichen Beilegung aufzunehmen.
Er führt die Verhandlungen ohne Hast. Zuerst bringt er in Erfahrung, wie viele Rinder die Verwandtschaft des Täters besitzt und ob sie bereit ist, eine Entschädigung für die Blutschuld zu zahlen, die Sühneleistung, die in Rindern zu begleichen ist. Man weigert sich selten. Dann geht er zur Verwandtschaft des Getöteten und bittet sie, mit einer solchen Wiedergutmachung einverstanden zu sein. Die lehnen erst einmal ab. Das gehört zum guten Ton. Man muß unversöhnlich sein, auf der Blutrache bestehen. Der Mann mit dem Leopardenfell weiß das und beharrt auf seinem Vorschlag. Dann lenken sie schließlich ein, sind mit einer Entschädigung einverstanden. Aber nur im Interesse des Getöteten, sagen sie, nicht weil sie Vieh nehmen wollten für das Leben eines Verwandten. Der Geist des Verstorbenen bedrängt sie nämlich. Sie sollen möglichst bald eine Frau mit seinem Namen verheiraten. Einer seiner Verwandten heiratet mit diesen Rindern eine Frau, in seinem Namen. Die Kinder gelten als rechtmäßige Kinder des Getöteten.
Otázky:
1) Pro koho je krevní msta povinností?
2) Jakou roli má u Nuerů muž s leopardí kůží?
3) Proč příbuzní zabitého nakonec souhlasí s odškodněním? 2. Assmann, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit
Das individuelle Gedächtnis, so können wir diese Merkmale zusammenfassen, ist das dynamische Medium subjektiver Erfahrungsverarbeitung. Wir dürfen es uns freilich nicht als ein selbstgenügsames und rein privates Gedächtnis vorstellen. Wie der französische Soziologe und Patron der sozialen Gedächtnisforschungen Maurice Halbwachs in den 1920er Jahren gezeigt hat, ist das individuelle Gedächtnis immer schon sozial gestützt. Nach Halbwachs könnte ein absolut einsamer Mensch überhaupt keine Erinnerungen bilden, weil diese erst durch Kommunikation, d.h. im sprachlichen Austausch mit Mitmenschen, aufgebaut und verfestigt werden. Das Gedächtnis als Zusammenhalt unserer Erinnerungen wächst also ähnlich wie die Sprache von außen in den Menschen hinein, und es steht außer Frage, dass die Sprache auch seine wichtigste Stütze ist. Das kommunikative Gedächtnis – wie wir es deshalb nennen dürfen – entsteht demnach in einem Milieu räumlicher Nähe, regelmäßiger Interaktion, gemeinsamer Lebensformen und geteilter Erfahrungen.
Persönliche Erinnerungen existieren aber nicht nur in einem besonderen sozialen Milieu, sondern auch in einem spezifischen Zeithorizont. Dieser Zeithorizont wird wesentlich durch den Wechsel der Generationen bestimmt. Nach achtzig bis hundert Jahren kommt es zu einem deutlichen Einschnitt. Das ist die Periode, in der verschiedene Generationen – in der Regel sind es drei, im Grenzfall sogar fünf – gleichzeitig existieren und durch persönlichen Austausch eine Erfahrungs-, Erinnerungs- Erzählgemeinschaft bilden.
Otázky:
1) Proč neexistuje ryze individuální paměť?
2) Jak spolu souvisí jazyk a paměť?
3) Proč je horizont osmdesáti let pro kulturní paměť podstatný?
3. Bernd Rüthers: Rechtstheorie
Es gibt keine Wissenschaft vom Recht, wenn die Grundlagenprobleme nicht theoretisch durchdrungen werden. Es geht nach allem bei der Frage nach der Notwendigkeit von Rechtstheorie darum, ob Juristen wissen wollen, was sie tun, oder ob sie die bewußte oder unbewußte Orientierungslosigkeit wählen.
Damit ist der Stellenwert der Rechtstheorie für eine sinnvoll betriebene Rechtswissenschaft und Rechtspraxis gekennzeichnet. Leonhart Nelson hat 1917 zur damaligen Lage der Jurisprudenz sein mahnendes Buch Die Rechtswissenschaft ohne Recht geschrieben. Es ging ihm schon damals darum, was aus dieser Disziplin werde, wenn sie sich nur noch als Handwerk eines blinden Gesetzesgehorsams oder einer kunstvollen Falltechnik verstehe. Diese Frage ist unvermindert aktuell. Rechtstheorie vermittelt dem Juristen die Einsicht in sein Tun und in die Folgen seines Handwerks. Es geht also in diesem Grundriß der Rechtstheorie nicht nur darum, den Stoff für ein Pflicht- oder Wahlfach der Prüfungsordnung aufzubereiten. Es geht zugleich um das Selbstverständnis der Juristen von ihrer Disziplin.
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| Poslední aktualizace 16.05 2012 19:33 |
